Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners
Pressespiegel zur Aussellung "Kommen und Gehen" im Rathaus Untertürkheim 30.05. - 27.06.2008

Stuttgarter Wochenblatt

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Esslinger Zeitung 03.06.2008:

Vernissage der Skulpturen- und Fotografie-Ausstellung der Stuttgarter Künstlerin Bettina Stadtmüller im Bezirksrathaus Untertürkheim

Großes Interesse belohnt die "Macher" der Ausstellung und macht Mut
für Fortsetzungen




(amh)"Kommen und Gehen" heißt die Ausstellung der Stuttgarter Künstlerin
Bettina Stadtmüller, die am Freitag im Bezirksrathaus mit einer Vernissage
eröffnet wurde.
Ein Duo der Gruppe ARTango gestaltete mit Tangoklängen den
überaus passenden Rahmen und der Sohn des Bezirksvorstehers Eggert sorgte
mit kleinen Leckereien für das leibliche Wohl. Vier Wochen lang sind die
Tonskulpturen und Fotografien zum Ausstellungsthema, das in einem Rathaus
doppelte, ja dreifache Wortbedeutung erhält, zu den üblichen Öffnungszeiten
zu besichtigen.

Der Initiator Bezirksvorsteher Klaus Eggert, fast sprachlos
über fast 100 Gäste, leitet ein: „Die Stechuhr zeigt´s mir jeden Tag, das Kommen und Gehen" Die Bürger kommen und gehen und die Amtsgeschäfte im
Rathaus zeugen vom Thema. Von der Anzeige der Geburt eines neuen
Erdenbürgers bis zur Erledigung der Formalitäten im Trauerfall ist genau
dieser Ort ein Ausdruck des Kommens und Gehens.
Die Künstlerin, für die schon ganz früh klar war, ich mache was „mit Kunschd", setzt sich mittels Skulptur und Fotografie offen und intensiv mit dem Thema auseinander.

Kunststücke sind für sie Kommunikation, die Essenz, das „Rübenkraut" nach
einem langen Prozess der Beschäftigung mit den Themen des Lebens. Bei ihr
ist ein Zentralelement das Vergnügen des Lebens, das pralle Leben,
ausgedrückt durch die immer wieder zu findende Herzform. Und in
Untertürkheim jetzt das Kommen und vor allem das Gehen. „Die Künstlerin
gibt etwas von ihrem Inneren preis", so Eggert und spricht dabei einige
Werke an, so auch das sehr persönliche Bild mit Übermalung „Du Fehlst", das
den „weißen Schatten" der vor Jahresfrist gegangenen Mutter der Künstlerin
deutlich sichtbar werden lässt.
Die anwesenden Gäste, unter anderem Christiane Raschke, „keramische" Mentorin von Bettina Stadtmüller, der Untertürkheimer Fotograf und Künstler Burkhard Hüdig, Professor Hans K. Schlegel von der Fachhochschule Stuttgart und viele andere aus dem
kulturellen und Vereinsleben Untertürkheims zeigen sich beeindruckt. „Das
hier ist verstehbare Kunst, die einen so schön archaischen Anklang hat",
freut sich Annette Hauser, Leiterin der Stadtteilbücherei über die
Skulpturen „Anfang" (der Torso einer Hochschwangeren), und „Gaia", ein
Symbol für den Schoss der Mutter Erde.

Siegfried Berner, Maler und Bildhauer aus Rotenberg und Klaus Enslin, Vorstandsmitglied im Bürgerverein, sind von den Texten, die zwischen und erläuternd unter den
Werken hängen, berührt. Die Besucherin Hanne Eller bringt es auf den
Punkt: "Die Art, wie die Künstlerin ihre Auffassung mitteilt, spricht die
Seele an.".
Für Einige ist es schwierig, Gedanken zu den von der Künstlerin
„Vivaleum" genannten Urnen, die schon zu Lebzeiten eine Auseinandersetzung
mit der eigenen Endlichkeit ermöglichen, zu finden. „Da möchte ich nicht so
gerne drüber nachdenken". Martin Ott, der selber gerne fotografiert, zeigt
sich fast neidisch: "Sie hat Ideen, die ich gerne mal gehabt hätte".

Die Fotografien sind digital aufgenommen, aber bewusst nicht am Computer
nachbearbeitet. So auch die Fotografie „Rasenstück", die die Gedenkstätte
für die „Kleinsten der Kleinen" auf dem Pragfriedhof mit aufgemalter weißer
Feder als Symbol der Seele zeigt. Das Vernissagen-Publikum ist begeistert,
die Öffentlichkeit kann sich nun ihr Bild machen, der Künstlerin eine
Widmung ins ausliegende Gästebuch schreiben oder ein Kunstwerk erwerben,
denn die sind alle, bis auf Eines, zu einem erschwinglichen Preis käuflich.

Bleibt zu hoffen, dass der fröhliche Optimismus der Künstlerin auch auf die
„Macher" der Ausstellung überspringt, damit Kunstausstellungen im
Bezirksrathaus zu einer guten Gewohnheit für die interessierten Bürger
werden.